Gesundheit: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Paukenerguss

Der umgangssprachlich oft verwendete Begriff von „Wasser im Ohr“ kann im medizinischen Sinn gleich zwei Bedeutungen haben. 1. Es befindet sich Wasser im Gehörgang, direkt vor dem Trommelfell und 2. Das „Wasser“ befindet sich hinter dem Trommelfell im Mittelohr. In der Medizin spricht man im zweiten Fall von einem Paukenerguss. Gerade bei Kindern kommt es häufig vor, dass sie unter einem Paukenerguss leiden. Nahezu 90 Prozent der Kinder haben bis zur Teenagerzeit unter einer Sekretansammlung im Mittelohr gelitten. Der Paukenerguss kann:

  1. Akut als Serotympanon (Tympanon = Pauke) im Rahmen eines viralen Infektes (→ Tubenkatarrh, Tuben-Mittelohrkatarrh) oder bei rascher Luftdruckänderung (Barotrauma) auftreten oder
  2. Chronisch beim chronischen Mittelohrkatarrh (Seromucotympanon, Leimohr). Der chronische Mittelohrkatarrh tritt vor allem bei Kindern auf.

Ursachen eines Paukenergusses

Die Ursache des Paukenergusses liegt in der Tatsache begründet, dass die kindliche Ohrtrompete (Eustachische-Röhre) bis zum 7. Lebensjahr kürzer und enger ist als bei Erwachsenen und schon bei kleineren Entzündungen, meist bedingt durch einen Infekt, schwillt. Es kommt zu einem negativen Druck im Mittelohr. Dies stellt den Reiz zur Umwandlung der Mittelohrschleimhaut in eine sezernierende Schleimhaut dar. Bleibt diese Belüftungsstörung bzw. der negative Druck des Mittelohrs bestehen, so füllt sich das Mittelohr mit Flüssigkeit. Dadurch können die Schwingungen des Schalls nicht mehr ungehindert an das Innenohr weitergeleitet werden. Es tritt die so genannte Schallleitungsschwerhörigkeit auf. Bei längerem Bestehen kann dies zu Sprachentwicklungsstörungen führen.

Ärztin mit KindTubenkatarrh

Der Tubenkatharr ist ein Katarrh der Eustachischen-Röhre („Ohrtrompete“). Er tritt meist im Rahmen eines Infektes der oberen Luftwege wie bspw. Schnupfen auf. Durch einen Verschluss der Ohrtrompete ist der Druckausgleich zwischen luftgefülltem Mittelohr und der Umgebungsluft behindert. Bei hermetischem Luftabschluss wird die Luft aus dem Mittelohr durch das Blut abtransportiert. Es entsteht unweigerlich ein zunehmender Unterdruck. Dieser verursacht ein Einziehen des Trommelfells. Bis zu einem erfolgreichen Druckausgleich wird dieses Ohr "zugefallen" sein. Schmerzen bestehen zwar meistens nicht, dafür aber ein Druckgefühl und eine leichte Schwerhörigkeit. Bei länger anhaltendem Tubenkatarrh besteht ein fließender Übergang zum Paukenerguss.

Als therapeutisches Mittel wird vor allem die Tubensprengung bzw. der Valsalva-Versuch, d.h. das Erzeugen eines Überdrucks im Nasen-Rachen-Raum, verwendet.

Tubensprengung

Unter Tubensprengung versteht man die Öffnung einer verschlossenen → Eustachischen Röhre (Ohrtrompete) durch Erzeugen eines Überdruckes im Nasen-Rachen-Raum. Die einfachste Methode zur Erzeugung eines Überdruckes ist der → Valsalva-Versuch (Pressen bei zugehaltener Nase und geschlossenem Mund). Der Valsalva-Versuch wird oft zum Druckausgleich z. B. bei Flügen oder beim Tauchen eingesetzt. Von HNO-Ärzten wird die Tubensprengung zur Diagnose und vor allem zur Behandlung eines → Tubenkatarrhs bzw. → Paukenergusses eingesetzt.

Mittelohrentzündung (Otitis Media)

Eine akute Mittelohrentzündung ist eine Entzündung der Schleimhaut im Mittelohr. Sie wird hervorgerufen durch Viren, Bakterien oder deren Gifte (Toxine). Bis zum dritten Lebensjahr haben schon zwei Drittel aller Kinder mindestens einmal eine Mittelohrentzündung durchgemacht. Ab dem sechsten Lebensjahr tritt diese schmerzhafte Erkrankung nicht mehr so häufig auf.

Das Mittelohr ist ein mit Schleimhaut ausgekleideter und mit Luft gefüllter Hohlraum (Paukenhöhle). Er liegt zwischen dem Trommelfell und dem Innenohr. In ihm befinden sich die drei Gehörknöchelchen, welche die Schwingungen des Trommelfells an das eigentliche Hörorgan, das Innenohr, weiterleiten. Ein Luftkanal zwischen der Paukenhöhle des Mittelohrs und dem Nasenrachenraum, die so genannte Ohrtrompete (Tuba auditiva) oder Eustachische Röhre, sorgt normalerweise dafür, dass der Druckausgleich im Mittelohr stattfinden kann. Eine der Ursachen für das häufige Auftreten der Mittelohrentzündung liegt an den anatomischen Gegebenheiten bei Kindern. Ihre Eustachischen Röhren sind kürzer und enger als bei Erwachsenen. Ein einfacher Schnupfen oder ein Infekt im Nasenrachenraum wird über die Ohrtrompete ins Mittelohr geleitet. Die Eustachische Röhre entzündet sich, die Schleimhaut schwillt an, die Ohrtrompete verschließt sich und das Sekret kann nicht mehr abfließen. Im abgeschlossenen Mittelohr können sich die Keime vermehren.

Neben den Infekten der oberen Luftwege sind chronisch entzündete Rachenmandeln (Adenoide) bei Kindern die häufigsten Ursachen für die Mittelohrentzündung.